Meins! Aktuelle Kinofilme und mehr...

Die Beerdigung


Gestorben wird immer, das gehört zu den Dingen im Leben, auf deren Eintreten man sich verlassen kann, und mit zunehmendem Alter kommen die Einschläge auch immer dichter, die Personaldecke wird also dünner, was den Bekanntenkreis des teuren Verblichenen angeht, und so werden wir gebeten, ein paar Worte aus gegebenem Anlass zu sprechen. Dazu aber später, zuvor einige Anmerkungen zum Thema, die Ihnen bei der Konversation in der Kapelle, rund ums offene Grab und bei der Nachfeier von Nutzen sein werden. Katja Epstein hat einmal gesagt, Abschied ist ein bisschen wie Sterben, und das ist natürlich völliger Unsinn.
Umgekehrt wird ein Schuh draus! Sterben ist ein bisschen wie Abschied und meist kommt es ungelegen. "Wie, ich komme bei 220 km/h auf der Landstraße ins Schleudern, pralle gegen ein landwirtschaftliches Nutzfahrzeug, fliege von da in eine Kuhherde und dann die Böschung runter, wo ich endlich in Flammen aufgehe? Das habe ich mir aber anders vorgestellt, lieber Gott! Irgendwie im Bett, mit netten Leuten, Kerzen an, Schampus, schöne Musik und dann nach dem achten Mal einnicken und nicht mehr aufwachen, dass wär was, aber doch nicht so! Scheißspiel. Aber es soll halt eine Überraschung werden. Nicht umsonst rät der Volksmund: Lebe jeden Tag so, als ob es dein letzter wäre, irgendwann stimmt es!"
Ich glaube auch nicht an Vorherbestimmung. Es ist nicht logisch. Nehmen wir einmal an, ich säße im Flugzeug und dem Piloten wäre es vorherbestimmt, jetzt den Löffel abzugeben, dann hänge ich mit drin in der Nummer!
Natürlich hat der Gedanke, dass man den Zeitpunkt seines Ablebens genau kennt, etwas ungemein Faszinierendes. In diesem Falle wüsste ich auch, was ich täte. Ich würde mich für eine Papstaudienz anmelden und dann so in die Reihe stellen, dass es mich genau dann vom Schlitten haut, wenn der Kerl mich anpackt. Die Schlagzeile am nächsten Tag! "Papst tötet Pilger!"
In Amerika gibt es seit einiger Zeit ein Gesetz, das zum Tode Verurteilten gestattet, in der ihnen verbleibenden Zeit noch zu heiraten. Da klingen die Worte des Geistlichen "Bis dass der Tod euch scheidet" schon irgendwie makaber. Und dann die Frage, was schenkt man dem jungen Paar? Ein Toaster ist auch ein bisschen krass.
Die Todesstrafe ist überhaupt ein gutes Thema für Trauerfeiern. Vielleicht in Form eines kleinen Referats, das Sie beginnen könnten mit: "Ich finde übrigens die Todesstrafe sehr sinnvoll", woraufhin auf jeden Fall schon mal Ruhe eintritt. "Meine Frau meint ja, es wäre Quatsch, weil es andere Täter nicht abschrecke, ich sage dann immer, über die anderen können wir uns in Ruhe Gedanken machen, wenn wir sie haben, diesen Wichser wird es auf jeden Fall abschrecken. Dann kommt sie immer mit dem Argument der Unzurechnungsfähigkeit. Wenn ich das schon höre! 'Hohes Gericht, mein Klient wusste nicht, was er tat!'
Na fein, dann wird der Dödel auch nicht raffen, was wir mit ihm tun!
Ich bin auch durchaus dafür, Hinrichtungen im Fernsehen zu übertragen, gerade wegen der positiven Auswirkungen auf Kinder. "Komm sofort her, los, guck dahin, das ist einer, der seine Aufgaben auch nicht machen wollte!"
In Russland richten sie doch andauernd Leute hin, die soundso viele Menschen umgebracht und aufgefressen haben, was bestellt sich eigentlich so ein Mann als Henkersmahlzeit? Das Thema Kannibalismus sollten wir allerdings jetzt nicht verschießen, wir werden es gesondert behandeln in unserem Kapitel "Gespräche mit Vegetariern".
Vielmehr könnte man abschließend die alte Streitfrage diskutieren: Soll man bei geöffnetem oder geschlossenem Sarg Abschied nehmen? Tip: Ein Tritthebel, etwa wie beim Küchenmülleimer.
Ein anderer, stimmungsadäquater Gesprächsbeitrag könnte sein: "Meine Freundin ist auch vor kurzem gestorben. Es hat eine Woche gedauert, bis ich darüber lachen konnte. Ich war aber nicht auf der Beerdigung, ich habe einfach niemanden gefunden, der mit mir hingehen wollte. Ihre Schwestern hatten eine Familienfeier und meine Frau wollte auch nicht mit."
Abschließend nun einige Vorschläge, wie sie mit wenigen Worten eine Trauergemeinde zu Begeisterungsstürmen hinreißen können.

Die Grabrede

Wir haben uns hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Franz-Josef Steguweit, Hammer-Franjo, wie er in Anspielung auf das Auffälligste und Meistbeschäftigte an ihm gern genannt wurde.
Er war kein schöner Mann, ja, ich möchte fast sagen, so gut wie heute hat er noch nie ausgesehen, er war kein beliebter Mann, so viele Blumen wie heute hat er sicher in seinem ganzen Leben nicht bekommen, aber er war ein steinreicher Mann. In geselliger Runde, also praktisch jeden Abend, pflegte er die Geschichte seines Reichtums zu erzählen, wie er als Kind einmal einen Apfel geschenkt bekommen, diesen auf Hochglanz poliert und verkauft habe. Von dem Erlös kaufte er zwei Äpfel, polierte und verkaufte sie. Von diesem Geld wiederum kaufte er vier Äpfel, polierte sie und erbte dann die Fabriken seines Vaters. Von da an war er rund um die Uhr damit beschäftigt, die Kohle durchzubringen. Er war im Grunde ein Arsch, aber saufen konnte er. Von seinen Blutproben veranstaltete die Polizei regelmäßig Kameradschaftsabende.
Und so sind die von seinem Ableben am tiefsten Betroffenen natürlich die Gastronomen des Landes. Hätte der Gesetzgeber als Bestattungsmöglichkeit auch das Flambieren vorgesehen, die Sponsoren stünden Schlange.
Sie, liebe Frau Steguweit, können heilfroh sein, denn sicherlich ist Ihnen noch genug Schotter geblieben, um sich mit einem netten Kerl einen schönen Lenz zu machen, denn so, wie Ihr Göttergatte im Puff herumwütete, ist kaum anzunehmen, dass für Sie noch viel an Zuwendung übrig blieb. Unverständlich, wenn ich Sie mir so ganz langsam von oben bis unten anschaue, aber er war halt nicht der Hellste, unser Franjo.
Tja, Bude zu, Affe tot, kann ich nur sagen, und schließen möchte ich mit Franjos Lieblingstrinkspruch: "Zum Zipfel, zum Zapfel, zum Kellerloch rein, heute wollen wir lustig sein!"

zurück


Notice: Undefined variable: HTTP_SERVER_VARS in /homepages/30/d72633454/htdocs/www.d8ing.de/sugar/chcounter/counter.php on line 37

Notice: Undefined variable: HTTP_SERVER_VARS in /homepages/30/d72633454/htdocs/www.d8ing.de/sugar/chcounter/include/config.inc.php on line 64

Notice: Undefined variable: HTTP_SERVER_VARS in /homepages/30/d72633454/htdocs/www.d8ing.de/sugar/chcounter/include/config.inc.php on line 69

Notice: Undefined variable: HTTP_SERVER_VARS in /homepages/30/d72633454/htdocs/www.d8ing.de/sugar/chcounter/include/config.inc.php on line 72

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /homepages/30/d72633454/htdocs/www.d8ing.de/sugar/chcounter/include/functions_counter.inc.php on line 708
SQL-Fehler!
MySQL error: 2002
php_network_getaddresses: getaddrinfo failed: Name or service not known

-> Script beendet.